Seitenlichter: Grün und Rot richtig deuten
Seemannschaft & Regeln

Seitenlichter: Grün und Rot richtig deuten

15. Mai 2026· 6 Min. Lesezeit

Seitenlichter sind die beiden farbigen Positionslichter eines Fahrzeugs: ein grünes Licht an Steuerbord (rechte Bordseite) und ein rotes Licht an Backbord (linke Bordseite). Sie gehören zur vorgeschriebenen Lichterführung und zeigen anderen Schiffen bei Nacht oder schlechter Sicht, von welcher Seite man auf ein Fahrzeug schaut – und damit, wohin es ungefähr fährt.

Wer die Seitenlichter sicher deutet, kann im Dunkeln den groben Kurs eines anderen Schiffs ablesen und entscheiden, ob er ausweichen muss. Genau deshalb sind sie ein Klassiker im Fragenkatalog und ein Pflichtwissen für jeden, der nachts unterwegs ist. In diesem Glossar-Eintrag erklären wir die Seitenlichter von Grund auf: Farben, Sichtwinkel, Reichweite und die Eselsbrücke, die dir das Verwechseln erspart.

Definition: Was sind Seitenlichter?

Seitenlichter sind zwei seitlich angebrachte Lampen, die jeweils nur über einen bestimmten Winkel nach vorn und zur Seite leuchten. Sie sind ein fester Bestandteil der nautischen Positionsbeleuchtung, die in den Kollisionsverhütungsregeln (KVR) und auf Binnengewässern in den entsprechenden Vorschriften geregelt ist.

  • Steuerbord (rechte Seite): grün
  • Backbord (linke Seite): rot

Welche Seite Steuerbord und welche Backbord ist, klärt sich, sobald du nach vorn in Fahrtrichtung blickst: rechts ist Steuerbord, links ist Backbord. Wenn dir das links/rechts an Bord noch durcheinandergeht, hilft der Artikel zu Steuerbord und Backbord mit ein paar Eselsbrücken weiter.

Merksatz: „Backbord ist rot wie Rotwein in der Bar." Beide Wörter haben gleich viele Buchstaben (Backbord/Steuerbord) – und das kürzere Farbwort rot passt zum kürzeren … nein, einfacher: Backbord = roter Barwein. Steuerbord bleibt automatisch grün.

Der Sichtwinkel: 112,5° pro Seite

Das Entscheidende an den Seitenlichtern ist nicht nur die Farbe, sondern der Winkel, über den sie sichtbar sind. Jedes Seitenlicht leuchtet über genau 112,5°.

So setzt sich der Winkel zusammen:

  1. Vom Bug (geradeaus voraus) über die jeweilige Seite bis genau 22,5° hinter querab.
  2. Das ergibt pro Seite 112,5°.
  3. Beide Seitenlichter zusammen decken nach vorn 225° ab (2 × 112,5°).

Die fehlenden 135° nach achtern werden vom Hecklicht übernommen, das weiß über die hinteren 135° leuchtet. Rechnet man alles zusammen, ergeben die Seitenlichter plus Hecklicht volle 360° – ein Fahrzeug ist also aus jeder Richtung an einem Licht erkennbar. Das weiße Topplicht am Mast strahlt übrigens über denselben vorderen 225°-Bogen wie die beiden Seitenlichter zusammen.

Die genaue 22,5°-Grenze hinter querab ist kein Zufall: Genau dort beginnt der „Überholbereich". Siehst du nur das Hecklicht (kein Seitenlicht), bist du der Überholende und damit ausweichpflichtig.

Was die Seitenlichter über den Kurs verraten

Hier wird das Wissen praktisch. Welche Lichter du von einem anderen Fahrzeug siehst, sagt dir, von welcher Seite du es betrachtest – und ob ihr euch begegnet oder kreuzt:

  • Du siehst nur Rot: Du blickst auf die Backbordseite des anderen. Das andere Schiff zieht von rechts nach links vor dir durch oder zeigt dir seine linke Flanke.
  • Du siehst nur Grün: Du blickst auf die Steuerbordseite. Achtung: Bei einem Kreuzkurs, bei dem der andere von rechts kommt und du sein grünes Licht siehst, bist in vielen Fällen du der Ausweichpflichtige.
  • Du siehst Rot und Grün gleichzeitig (plus weiße Lichter): Das Fahrzeug kommt dir genau entgegen, du blickst frontal auf den Bug. Eine klassische Begegnungssituation – beide halten nach Steuerbord aus.
Faustregel für Begegnungen: „Rot vor Grün – lass den anderen ziehn." Wenn du auf Kreuzkurs nur das rote Backbordlicht des anderen siehst und er von links kommt, bist meist du der Kurshalter. Verlass dich aber nie blind auf einen Spruch – schau immer auf die Gesamtsituation.

Welche der beiden Parteien tatsächlich Kurs halten muss und wer ausweicht, regeln die Ausweichregeln auf dem Wasser im Detail. Die Rollenverteilung zwischen Kurshalter und Ausweichpflichtigem solltest du dabei sauch im Schlaf können.

Reichweite und welche Fahrzeuge welche Lichter führen

Die geforderte Sichtweite (Tragweite) der Seitenlichter hängt von der Fahrzeuglänge ab. Grob gilt: Je größer das Fahrzeug, desto weiter müssen die Lichter sichtbar sein. Für kleinere Sportboote unter 12 Metern sind meist 1 bis 2 Seemeilen vorgeschrieben. Wie weit eine Seemeile ist, klärt der Beitrag zu Seemeile und Knoten.

Ein paar Sonderfälle:

  • Maschinenfahrzeuge führen Seitenlichter plus Topplicht plus Hecklicht. Was genau ein Maschinenfahrzeug ist, ist für die Lichter- und Ausweichlogik entscheidend.
  • Segelfahrzeuge unter Segel führen Seitenlichter und Hecklicht, aber kein Topplicht. Genau daran erkennst du im Dunkeln oft, ob ein Segelfahrzeug oder ein Motorboot vor dir liegt.
  • Sehr kleine Boote dürfen die Seitenlichter teils in einer kombinierten Zweifarbenlaterne am Bug zusammenfassen.

Wie all diese Lichter im Gesamtbild zusammenspielen und welche Kombinationen welchen Schiffstyp anzeigen, zeigt der Überblicksartikel zur Lichterführung. Wenn du dort zusätzlich die Schallsignale mitnimmst, deckst du das Thema „Erkennen und Verständigen bei Nacht" komplett ab.

Häufige Fehler beim Deuten

  • Farben vertauschen: Der häufigste Patzer. Nutze die Eselsbrücke und übe sie, bis sie sitzt.
  • Sichtwinkel ignorieren: Wer nur an Farben denkt, vergisst, dass das Fehlen eines Seitenlichts (= nur Hecklicht sichtbar) eine Überholsituation anzeigt.
  • Einzellicht überinterpretieren: Ein einzelnes farbiges Licht ohne weiße Lichter kann auch eine Tonne oder ein Sonderzeichen sein – Lichterführung immer im Zusammenhang lesen.

Mit SBF Master übst du die Lichter und ihre Sichtwinkel nicht stur auswendig, sondern mit kurzen Erklärungen in Klartext und Wiederholungen, die genau die Fragen bringen, bei denen du noch wackelst – kostenlos startbar, damit du Grün und Rot bis zur Prüfung sicher auseinanderhältst.

💡 Tipp: Übe das direkt im interaktiven Lichterführungs-Quiz — mit echten Beispielen und Eselsbrücken.

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