Steuerbord und Backbord: Links, rechts und die Eselsbrücken
Seemannschaft & Regeln

Steuerbord und Backbord: Links, rechts und die Eselsbrücken

12. Mai 2026· 6 Min. Lesezeit

An Bord gibt es kein „rechts" und „links" — und das aus gutem Grund. Wer auf einem Boot steht, sagt Steuerbord und Backbord. Diese beiden Begriffe sind das absolute Grundvokabular der Seemannssprache, und sie tauchen in fast jedem Kapitel auf, wenn du dich mit dem Thema Steuerbord Backbord beschäftigst: bei Lichtern, bei Ausweichregeln, bei Kommandos an Bord. Wer sie verwechselt, fährt im Ernstfall in die falsche Richtung.

Die gute Nachricht: Es ist viel einfacher, als das fremde Wort vermuten lässt. In diesem Glossar-Eintrag bekommst du die klare Definition, die fest zugeordneten Farben, ein paar Eselsbrücken, die wirklich hängen bleiben, und die Erklärung, woher die seltsamen Wörter überhaupt kommen.

Definition: Was bedeutet Steuerbord und Backbord?

Ganz kurz und merkfähig:

  • Steuerbord = die rechte Seite des Schiffs, wenn du nach vorne (zum Bug) schaust.
  • Backbord = die linke Seite des Schiffs, wenn du nach vorne schaust.

Entscheidend ist das Wort „nach vorne". Die Seiten sind fest am Schiff definiert, nicht an der Person. Steuerbord bleibt Steuerbord, egal ob du gerade Richtung Bug oder Richtung Heck blickst. Genau das ist der Sinn der ganzen Übung: Würden zwei Leute „rechts" rufen, während sie sich gegenüberstehen, meinten sie entgegengesetzte Seiten. „Steuerbord" dagegen ist für alle an Bord dasselbe — eindeutig und unmissverständlich.

Merke: Steuerbord und Backbord sind keine Richtungen relativ zu dir, sondern feste Seiten des Bootes. Bug vorne, Heck hinten, Steuerbord rechts, Backbord links.

Die Farben: Grün und Rot

Damit man die Seiten auch nachts oder aus der Ferne erkennt, hat jede Bordseite eine feste Farbe:

  • Steuerbord (rechts) = Grün
  • Backbord (links) = Rot

Diese Zuordnung ist international gültig und zieht sich durch die gesamte Schifffahrt. Du findest sie in den Seitenlichtern, die ein Boot bei Nacht führt: ein grünes Licht an Steuerbord, ein rotes an Backbord. Wer nachts ein Boot kreuzen sieht, liest an der Lichtfarbe sofort ab, in welche Richtung es zeigt — ein wichtiger Baustein der gesamten Lichterführung.

Auch die Markierung der Fahrwasser folgt diesem System. In der Betonnung nach dem Lateralsystem trennen rote und grüne Tonnen das sichere Fahrwasser von den Untiefen. Wer Steuerbord/Backbord und ihre Farben sicher beherrscht, hat hier schon die halbe Miete.

Eselsbrücken: So merkst du dir die Seiten

Die Verwechslungsgefahr ist real — deshalb lohnt sich eine gute Eselsbrücke. Such dir eine aus, die für dich klickt:

  1. „Backbord ist BÄH (rot)." Backbord und das rote Licht — beide klingen ein bisschen nach Ärger. Rot = Stopp = links = Backbord.
  2. Buchstaben-Trick: Backbord und links haben beide etwas Kurzes — und „Back" steckt das rote „Bremslicht" eines Autos drin, das hinten ist. Wenn dir das hilft: Back = rot.
  3. Der Klassiker mit dem Wein:Backbord ist die Seite, auf der noch was im Glas war — der Rest(rot)wein." Schräg, aber genau deshalb merkt man's.
  4. Steuerbord = Steuer = Grün für „Go". Früher saß das Steuer rechts (dazu gleich mehr). Grün bedeutet freie Fahrt — Steuerbord, grün, rechts.

Such dir eine Brücke aus und übe sie, bis sie sitzt. Wer ständig zwischen mehreren wechselt, verheddert sich erst recht.

Tipp für die Praxis: Stell dich gedanklich auf den Bug, Blick nach vorn. Rechte Hand = Steuerbord = grün. Linke Hand = Backbord = rot. Diese Pose hilft auch in der Prüfung, wenn die Nervosität zuschlägt.

Woher kommen die Begriffe?

Die Wörter sind keine Erfindung, um Anfänger zu ärgern — sie haben eine logische Geschichte. Früher hatten Schiffe ihr Steuerruder nicht in der Mitte am Heck, sondern als großes Seitenruder an der rechten Bordwand. Diese „Steuer-Seite" wurde zur Steuerbord-Seite.

Weil das Ruder rechts im Weg war, legte das Schiff zwangsläufig mit der anderen, linken Seite am Kai an — der Mann am Ruder kehrte dem Steuer beim Anlegen quasi den Rücken zu. Aus dieser „Rücken-Seite" wurde Backbord (von altem „bak" für Rücken). Linke Seite zum Anlegen, rechte Seite zum Steuern — daraus sind die beiden Begriffe entstanden, die heute weltweit gelten.

Warum ist das so wichtig?

Steuerbord und Backbord sind kein nettes Vokabel-Extra, sondern sicherheitsrelevant. An mehreren Stellen entscheidet die richtige Seite über richtig oder gefährlich:

  • Ausweichen: Wer auf wen zufährt und wer ausweichen muss, hängt direkt von der Seite ab. Die Ausweichregeln auf dem Wasser und die übergeordneten Kollisionsverhütungsregeln (KVR) bauen darauf auf — etwa der Grundsatz, dass ein Fahrzeug, das du an deiner Steuerbordseite siehst, oft Vorrang hat.
  • Kommandos an Bord: „Ruder Steuerbord" muss jeder sofort und gleich verstehen. Ein Moment Zögern beim Manöver kann den Unterschied machen.
  • Navigation nachts: Die grün/rot-Logik der Seitenlichter verrät dir, ob ein anderes Boot von dir wegfährt oder direkt auf dich zuhält.

Deshalb gehören Steuerbord und Backbord zum Pflichtstoff, sobald du dich an den Sportbootführerschein wagst. Ob du den SBF Binnen oder den SBF See anpeilst — ohne diese beiden Begriffe geht im Theorieteil gar nichts, und auch in der Praxis fallen die Kommandos in genau dieser Sprache.

Kurz zusammengefasst

  • Steuerbord = rechts (Blick nach vorn) = grün
  • Backbord = links (Blick nach vorn) = rot
  • Die Seiten sind fest am Schiff, nicht an der Person.
  • Eselsbrücke: „Backbord ist bäh (rot)" — und der Rest ergibt sich.
  • Die Begriffe stammen vom alten Seitenruder rechts (Steuer) und dem Anlegen mit der linken Seite (Back/Rücken).

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