Lichterführung: Schiffslichter richtig erkennen
Seemannschaft & Regeln

Lichterführung: Schiffslichter richtig erkennen

08. Mai 2026· 6 Min. Lesezeit

Sobald die Sonne weg ist, verschwindet das Boot vor dir – und übrig bleiben nur ein paar farbige Lichter im Dunkeln. Genau dafür gibt es die Lichterführung: ein festes System aus weißen, roten und grünen Lichtern, das jedem Fahrzeug auf dem Wasser nachts eine Art Steckbrief verpasst. Wer die Lichterführung lesen kann, sieht auf einen Blick, in welche Richtung das andere Schiff fährt, wie groß es ungefähr ist und ob es Vorrang hat.

Die Lichterführung ist Teil der Kollisionsverhütungsregeln und gehört zu den Klassikern in jeder Prüfung. Klingt erst mal nach Auswendiglernen, ist aber im Kern simpel: Drei Lichter machen 90 Prozent der Situationen aus. Dieser Artikel erklärt sie so, dass du nachts auf dem Wasser nicht raten musst.

Was ist Lichterführung?

Lichterführung ist die gesetzlich vorgeschriebene Art, wie ein Wasserfahrzeug bei Nacht (und bei schlechter Sicht) Lichter zeigen muss. Jedes Licht hat eine feste Farbe, einen festen Platz am Boot und einen festen Sichtwinkel – also einen Bereich, aus dem man es überhaupt sehen kann.

Diese drei Infos zusammen ergeben den Trick: Aus der Kombination der Lichter, die du siehst, kannst du zurückrechnen, wie das Boot zu dir steht. Siehst du Rot? Dann blickst du auf die linke Seite. Siehst du nur Weiß von hinten? Dann fährt das Boot von dir weg.

Merksatz: Lichter zeigen dir nicht, wo das Boot ist – sondern wohin es schaut.

Die drei wichtigsten Lichter

Ein normales Motorboot in Fahrt zeigt nachts genau drei Arten von Lichtern. Wer die kennt, kommt schon sehr weit.

Topplicht – das weiße Licht nach vorn

Das Topplicht ist ein weißes Licht, das oben am Mast oder Aufbau sitzt und nach vorn leuchtet. Sein Sichtwinkel beträgt 225 Grad – es deckt also den kompletten vorderen Halbkreis plus ein Stück zur Seite ab. Steht ein Schiff vor dir oder kommt es schräg auf dich zu, siehst du dieses weiße Licht. Mehr dazu im Detail im Artikel zum Topplicht.

Seitenlichter – Grün und Rot

Die Seitenlichter sitzen links und rechts am Boot und leuchten je 112,5 Grad zur Seite. Die Farben sind fest verteilt:

  • Grün = Steuerbord (rechte Bootsseite)
  • Rot = Backbord (linke Bootsseite)

Welches Licht du siehst, verrät dir die Seite, auf die du blickst. Wer beim Verteilen von links und rechts an Bord ins Schleudern kommt, findet die Eselsbrücken im Artikel zu Steuerbord und Backbord. Eine ausführliche Erklärung nur zu den Farben gibt es bei den Seitenlichtern.

Hecklicht – das weiße Licht nach hinten

Das Hecklicht ist ein weißes Licht am Heck, das mit 135 Grad nach hinten leuchtet. Siehst du nachts nur ein einzelnes weißes Licht und sonst keine Farbe, schaust du dem Boot meistens hinterher – es fährt von dir weg. Details dazu im Artikel zum Hecklicht.

Zusammengerechnet ergeben die Sichtwinkel der Seitenlichter (2 × 112,5°) und des Hecklichts (135°) genau 360 Grad. Das System hat also keine Lücke: Egal aus welcher Richtung du draufschaust, du siehst immer mindestens ein Licht.

So liest du eine Begegnung

Jetzt das Praktische. Du bist nachts unterwegs und siehst Lichter. Geh die Frage Schritt für Schritt durch:

  1. Welche Farben sehe ich? Nur Weiß, oder auch Rot/Grün?
  2. Sehe ich Rot oder Grün? Rot links, Grün rechts – das ist die Seite des anderen Boots, die zu dir zeigt.
  3. Sehe ich beide Seitenlichter gleichzeitig (Rot UND Grün)? Dann kommt das Boot frontal auf dich zu – höchste Aufmerksamkeit.
  4. Sehe ich nur ein weißes Licht? Das Boot fährt von dir weg, du holst es ein.

Die Farben helfen auch beim Ausweichen. Klassische Eselsbrücke:

Rot heißt Stopp – Grün heißt frei.
Siehst du das rote Seitenlicht des anderen Boots, bist meist du ausweichpflichtig (er hat von dir aus gesehen Vorrang). Siehst du grün, bist du eher der Kurshalter.

Wer ausweicht und wer Kurs hält, ist eine eigene Wissenschaft – die Grundlagen stehen im Artikel zu Kurshalter und Ausweichpflichtiger und in den Ausweichregeln auf dem Wasser. Wichtig: Die Lichterführung sagt dir auch, *was für ein Fahrzeug* du vor dir hast – ein Maschinenfahrzeug führt andere Lichter als ein Segelfahrzeug, und das entscheidet mit, wer ausweichen muss.

Sonderfälle: Ankern und stillliegen

Nicht jedes Schiff fährt. Ein Boot, das nachts vor Anker liegt, zeigt kein Topplicht und keine Seitenlichter, sondern ein weißes Rundumlicht, das in alle 360 Grad leuchtet. Das ist das Ankerlicht – es signalisiert: Ich liege still, fahr nicht in mich rein. Größere Schiffe können zusätzliche Lichter zeigen, etwa wenn sie manövrierunfähig oder manövrierbehindert sind.

Die Lichterführung ist übrigens nur eines von mehreren Signal-Systemen auf dem Wasser. Tagsüber übernehmen Flaggen und Bälle diese Aufgabe, und bei unklarer Lage kommen Schallsignale dazu. Wie das alles in die großen Kollisionsverhütungsregeln (KVR) eingebettet ist, lohnt sich als nächster Lernschritt.

Kurz zusammengefasst

  • Topplicht: weiß, nach vorn, 225° – Boot fährt (Richtung dir entgegen oder seitlich).
  • Seitenlichter: Grün = Steuerbord, Rot = Backbord, je 112,5°.
  • Hecklicht: weiß, nach hinten, 135° – du siehst es von hinten, Boot fährt weg.
  • Ankerlicht: weiß rundum, 360° – Boot liegt still.

Diese vier zu kennen reicht, um die allermeisten Nachtsituationen sicher zu deuten.

Die Lichterführung ist purer Wiederholungsstoff – einmal verstanden, musst du sie nur noch im Kopf behalten. Mit SBF Master übst du genau solche Lichter-Fragen aus dem amtlichen Katalog so lange, bis du Rot, Grün und Weiß im Schlaf zuordnest, und siehst zu jeder Frage eine Erklärung in Klartext statt in Paragrafen.

💡 Tipp: Übe das direkt im interaktiven Lichterführungs-Quiz — mit echten Beispielen und Eselsbrücken.

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