Ankerlicht: Wie ein ankerndes Schiff gekennzeichnet ist
Seemannschaft & Regeln

Ankerlicht: Wie ein ankerndes Schiff gekennzeichnet ist

18. Mai 2026· 6 Min. Lesezeit

Ein Ankerlicht ist das weiße Rundumlicht, mit dem ein vor Anker liegendes Schiff bei Nacht zeigt: „Ich liege hier fest, ich fahre nicht." Tagsüber übernimmt diese Aufgabe ein schwarzer Ankerball. Beides zusammen ist das offizielle Erkennungszeichen für ein ankerndes Fahrzeug – und genau das, was du auf dem Wasser sofort richtig deuten musst, damit du nicht versehentlich auf jemanden zuhältst, der gar nicht ausweichen kann.

Das Ankerlicht ist Teil der Lichterführung und damit fester Bestandteil jeder SBF-Theorieprüfung. Die gute Nachricht: Die Regel ist einfacher, als sie im Beamten-Deutsch der Vorschriften klingt. In diesem Artikel erfährst du, wie das Ankerlicht aussieht, wann es Pflicht ist und wie du ein ankerndes Schiff von einem fahrenden unterscheidest.

Was ist ein Ankerlicht?

Ein Ankerlicht ist ein weißes Rundumlicht. „Rundum" heißt: Es leuchtet über den vollen Kreis von 360 Grad – egal, aus welcher Richtung du draufschaust, du siehst immer dasselbe weiße Licht. Damit unterscheidet es sich grundsätzlich von den Fahrtlichtern eines Schiffes, die nur in bestimmte Winkel strahlen (mehr dazu im Vergleich weiter unten).

Das Licht wird so hoch wie möglich gesetzt, damit es gut sichtbar ist – meist im vorderen Bereich des Schiffs, oft am Mast oder am Vorstag. Es soll von allen Seiten frei zu sehen sein.

Merke: Ein einzelnes weißes Rundumlicht, das sich nicht bewegt und keine farbigen Seitenlichter zeigt – das ist fast immer ein ankerndes Fahrzeug.

Ankerball am Tag, Ankerlicht bei Nacht

Die Kennzeichnung wechselt je nach Tageszeit. Du musst beide Varianten kennen:

  • Bei Nacht (und bei verminderter Sicht, z. B. Nebel): ein weißes Rundumlicht vorn.
  • Bei Tag: ein schwarzer Ball (der Ankerball), ebenfalls vorn und gut sichtbar gesetzt.

Der Ankerball ist also das „Tageszeichen" – das Gegenstück zum Licht. Größere Schiffe ab 50 Meter Länge führen zusätzlich ein zweites weißes Rundumlicht hinten, tiefer als das vordere, damit man auch ihre Länge abschätzen kann. Für die typischen Sportboote reicht aber das eine Licht beziehungsweise der eine Ball.

Eselsbrücke

Damit du dir die zwei Zeichen nicht verwechselst:

„Tag = Ball, Nacht = Licht – schwarz schläft, weiß wacht."

Der schwarze Ball „schläft" am Tag (du siehst Schwarz im Hellen), das weiße Licht „wacht" in der Nacht (du siehst Weiß im Dunkeln). Klingt albern, sitzt aber.

Wann ist ein Ankerlicht Pflicht?

Grundsätzlich gilt: Wer ankert oder festgemacht „auf Reede" liegt, muss sich kennzeichnen – damit andere wissen, dass hier ein Hindernis liegt, das sich nicht bewegt. Es gibt aber Ausnahmen für kleine Boote in geschützten Bereichen:

  1. Generell pflichtig ist die Kennzeichnung für alle Fahrzeuge, die vor Anker liegen, außerhalb dafür vorgesehener Liegeplätze.
  2. Befreit sind kleine Boote (Faustregel: unter rund 7 Metern Länge), wenn sie nicht in oder in der Nähe eines Fahrwassers, einer engen Rinne oder einer Stelle ankern, wo normalerweise andere fahren.
  3. Im Zweifel immer setzen. Lieber ein Licht zu viel als ein Beinahe-Zusammenstoß. Sobald andere in deine Nähe kommen könnten, gehört das Ankerlicht oder der Ankerball gesetzt.

Wichtig ist die Unterscheidung: Ein Fahrzeug *vor Anker* führt keine Seitenlichter und kein Hecklicht im fahrenden Sinn. Es zeigt nur das weiße Rundumlicht. Genau daran erkennst du es.

Ankerndes Schiff erkennen – der Unterschied zu fahrenden Booten

Hier liegt der Prüfungsschwerpunkt. Wenn du nachts ein Boot siehst, fragst du dich: fährt das, oder liegt das? Die Lichter verraten es:

  • Nur ein weißes Rundumlicht, keine Farben → das Schiff ankert. Es kann nicht ausweichen, also weichst du aus.
  • Grünes und rotes Licht (eventuell mit weißem Licht darüber) → ein fahrendes Boot kommt dir entgegen oder kreuzt. Die farbigen Lichter sind die Seitenlichter, grün an Steuerbord, rot an Backbord.
  • Ein weißes Licht oben am Mast → das ist meist das Topplicht eines fahrenden Maschinenfahrzeugs, das nur nach vorn leuchtet – nicht rundum.
  • Ein weißes Licht achtern → das Hecklicht, das du von hinten siehst, wenn ein Boot von dir wegfährt.

Der entscheidende Unterschied: Das Ankerlicht leuchtet rundum (360°), das Topplicht und das Hecklicht jeweils nur in einen begrenzten Winkel. Wenn du also um ein Boot herumfährst und das weiße Licht aus jeder Position gleich hell bleibt, liegt es vor Anker. Das große Ganze dazu findest du im Überblick zur Lichterführung, wo alle Lichter und ihre Sichtwinkel zusammengefasst sind.

Wer ankert, gilt als nicht ausweichpflichtig im klassischen Sinn – es ist ja kein Begegnungsverkehr. Trotzdem musst du das Manöver beherrschen, dem ankernden Fahrzeug aus dem Weg zu gehen. Wie Ausweichpflichten generell funktionieren, erklären die Ausweichregeln auf dem Wasser und die Grundlagen der Kollisionsverhütungsregeln (KVR).

Wo das Ankerlicht in der Prüfung auftaucht

Das Ankerlicht ist Standardstoff im SBF, sowohl beim SBF See als auch beim Binnenschein. In den Bootsführerschein-Prüfungsfragen tauchen die Lichterfragen zuverlässig auf – oft als Bildfragen, bei denen du eine Lichterkombination einem Fahrzeugzustand zuordnen sollst. Genau dort hilft dir das saubere Auseinanderhalten von „rundum" und „begrenztem Sichtwinkel".

Klein gefasst noch einmal das Wichtigste:

  • Ankerlicht = weißes Rundumlicht (360°), bei Nacht.
  • Ankerball = schwarzer Ball, bei Tag.
  • Keine Seitenlichter, kein Hecklicht → Schiff liegt fest.
  • Im Zweifel immer setzen, kleine Boote in geschützten Buchten sind befreit.

Das Ankerlicht ist nur eines von vielen Lichtern, die du für die Theorie sicher drauf haben musst. Mit SBF Master übst du die Lichterführung mit echten Bildfragen aus dem amtlichen Katalog – inklusive Klartext-Erklärung, warum die Antwort stimmt, bis dir jede Lichterkombination auf den ersten Blick klar ist.

💡 Tipp: Übe das direkt im interaktiven Lichterführungs-Quiz — mit echten Beispielen und Eselsbrücken.

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