Ausweichregeln auf dem Wasser: Wer muss wem ausweichen?
Seemannschaft & Regeln

Ausweichregeln auf dem Wasser: Wer muss wem ausweichen?

13. Mai 2026· 5 Min. Lesezeit

Ausweichregeln auf dem Wasser legen fest, welches von zwei Fahrzeugen seinen Kurs ändern muss, damit es nicht zur Kollision kommt. Anders als an Land gibt es auf dem Wasser keine Ampeln und keine durchgezogenen Linien – stattdessen gilt ein festes Regelwerk, das die Kollisionsverhütungsregeln (KVR) in den Regeln 12 bis 18 beschreiben. Wer diese Ausweichregeln auf dem Wasser kennt, weiß in jeder Begegnung sofort, wer reagieren muss und wer stur weiterfahren soll.

Das Wichtigste vorweg: Es gibt immer genau zwei Rollen. Der eine ist der Ausweichpflichtige – er muss frühzeitig und deutlich ausweichen. Der andere ist der Kurshalter – er muss Kurs und Geschwindigkeit beibehalten, damit der Ausweichpflichtige weiß, woran er ist. Wenn beide gleichzeitig „nett" sein wollen und ausweichen, wird es gefährlich. Genau diese klare Rollenverteilung zwischen Kurshalter und Ausweichpflichtigem ist das Herzstück der Regeln.

Die Rangordnung: Wer hat Vorrang?

Auf dem Wasser gibt es eine feste Hierarchie. Je schlechter ein Fahrzeug manövrieren kann, desto mehr Vorrang hat es. Die anderen müssen ihm ausweichen. Von oben (höchster Vorrang) nach unten (muss am ehesten ausweichen):

  1. Manövrierunfähige Fahrzeuge – können wegen eines Defekts gar nicht mehr steuern.
  2. Manövrierbehinderte Fahrzeuge – können wegen ihrer Arbeit (z. B. Baggern, Schleppen) nur eingeschränkt ausweichen.
  3. Fischereifahrzeuge beim Fischen mit Netzen.
  4. Segelfahrzeuge unter Segeln.
  5. Maschinenfahrzeuge (Motorboote) – ganz unten, sie weichen fast allen aus.
Merksatz: „Manni Manni Fisch und Segel sind die Motorbootes Regel." Die Reihenfolge der Anfangsbuchstaben (Manövrierunfähig, Manövrierbehindert, Fisch, Segel) zeigt, wem das Motorboot ausweichen muss.

Der Unterschied zwischen manövrierunfähig und manövrierbehindert ist prüfungsrelevant und an Bord entscheidend – beide Zustände werden über bestimmte Signalkörper und Lichter angezeigt.

Segel vor Motor – aber mit Ausnahmen

Die wohl bekannteste Ausweichregel lautet: Segel hat Vorrang vor Motor. Ein Maschinenfahrzeug muss einem Segelfahrzeug ausweichen (KVR Regel 18). Klingt einfach, hat aber Haken:

  • Sobald ein Segelboot den Motor zuschaltet, gilt es rechtlich als Maschinenfahrzeug – die Vorrangstellung ist weg.
  • Auf engen Fahrwassern muss auch ein Segler einem großen Berufsschiff Platz machen, das nur dort fahren kann.
  • Gegenüber manövrierunfähigen, manövrierbehinderten und fischenden Fahrzeugen muss auch das Segelboot ausweichen.

Zwei Segelboote unter sich

Treffen sich zwei reine Segelfahrzeuge, entscheidet der Wind (KVR Regel 12):

  • Verschiedener Bug: Das Boot, das den Wind von Backbord (links) hat, weicht aus. Das Boot mit Wind von Steuerbord hat Vorrang.
  • Gleicher Bug: Das luvwärtige Boot (näher zum Wind) weicht dem leewärtigen aus.

Wer hier sicher entscheiden will, sollte Steuerbord und Backbord im Schlaf beherrschen. Mehr zum Segelteil findest du im Guide zu SBF Binnen unter Segel.

Die drei Begegnungsarten bei Motorbooten

Treffen sich zwei Maschinenfahrzeuge, hängt die Regel von der Geometrie ab. Es gibt drei klassische Situationen:

1. Entgegengesetzte Kurse (KVR Regel 14)

Zwei Boote fahren genau aufeinander zu, Bug an Bug. Lösung: Beide weichen nach Steuerbord (rechts) aus. Sie passieren sich also Backbord an Backbord, wie auf einer rechts fahrenden Straße. Hier gibt es ausnahmsweise keinen Kurshalter – beide handeln.

2. Kreuzende Kurse (KVR Regel 15)

Die Kurse schneiden sich seitlich. Hier hilft die Faustregel: Wer den anderen an Steuerbord (rechts) hat, muss ausweichen. Anders gesagt – wer das andere Boot rechts vor sich sieht, ist der Ausweichpflichtige. Eine simple Eselsbrücke:

„Hast du Steuerbord etwas zu sehen, lass den anderen vorbeigehen." Siehst du nachts dabei sein rotes Seitenlicht, bist du der Ausweichpflichtige – Rot heißt Stopp.

Das passt zur Lichterführung: Zeigt dir das andere Boot sein rotes Backbord-Licht, fährt es von links nach rechts durch dein Sichtfeld und du musst hinter ihm vorbei.

3. Überholen (KVR Regel 13)

Beim Überholen gilt unabhängig vom Fahrzeugtyp: Der Überholer weicht aus. Selbst ein Motorboot, das ein Segelboot überholt, muss dem Segler ausweichen – obwohl sonst Segel vor Motor gilt. Als Überholer giltst du, wenn du dich einem anderen Fahrzeug von hinten näherst (mehr als 22,5° hinter der Querlinie) und nachts nur dessen weißes Hecklicht siehst.

Was der Ausweichpflichtige konkret tun muss

Ausweichen heißt nicht „ein bisschen lenken". Die KVR verlangt:

  • Früh handeln – nicht warten, bis es eng wird.
  • Deutlich handeln – ein klar erkennbares Manöver, kein Zentimeter-Kurswechsel.
  • Genug Abstand lassen, sodass man sicher passiert.

Im Zweifel hilft, die Fahrt zu verringern oder ganz zu stoppen. Diese Grundsätze gehören zu den Kollisionsverhütungsregeln (KVR) und tauchen zuverlässig in den Bootsführerschein-Prüfungsfragen auf. Wer den Sportbootführerschein macht, sollte diese Regeln nicht nur auswendig können, sondern verstehen – denn auf dem Wasser entscheidest du in Sekunden.

Mit SBF Master übst du genau diese Begegnungssituationen so lange, bis du in jeder Lage sofort weißt, ob du Kurshalter oder Ausweichpflichtiger bist – mit verständlichen Erklärungen statt Paragraphen-Deutsch. So gehst du sicher in die Prüfung und entspannt aufs Wasser.

💡 Tipp: Übe das direkt im interaktiven Schallzeichen-Tool zum Anhören — mit echten Beispielen und Eselsbrücken.

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