Kompass und Peilung: Navigation für Einsteiger
Navigation & Technik

Kompass und Peilung: Navigation für Einsteiger

04. Juni 2026· 6 Min. Lesezeit

Wenn du aufs Wasser gehst, gibt es keine Straßenschilder und meist auch keine Abzweigung mit Wegweiser. Hier helfen dir Kompass und Peilung: Der Kompass zeigt dir, in welche Richtung dein Boot gerade fährt, und mit einer Peilung bestimmst du, in welcher Richtung ein bestimmter Punkt – ein Leuchtturm, eine Tonne, ein Kirchturm an Land – von dir aus liegt. Zusammen sind das die zwei Grundwerkzeuge der Navigation, und sie sind viel weniger kompliziert, als das Wort „Navigation" vermuten lässt.

In diesem Glossar-Artikel zerlegen wir das Thema Kompass und Peilung in seine Einzelteile: Wie der Magnetkompass funktioniert, warum er fast nie exakt nach Norden zeigt (Stichwort Missweisung und Deviation) und wie du eine Peilung nimmst und einen Kurs sauber umrechnest. Alles in Klartext, ohne Beamtendeutsch.

Der Magnetkompass: Definition und Funktion

Ein Magnetkompass ist ein Instrument mit einer frei beweglichen Magnetnadel (bzw. einer Kompassrose), die sich am Magnetfeld der Erde ausrichtet. Die Nadel zeigt deshalb immer ungefähr nach Norden – genauer gesagt zum magnetischen Nordpol, nicht zum geografischen.

Die Richtung liest du in Grad (°) ab. Der Vollkreis hat 360°:

  • 000° (oder 360°) = Norden
  • 090° = Osten
  • 180° = Süden
  • 270° = Westen
Merksatz: Im Uhrzeigersinn von Norden zählen – Nord, Ost, Süd, West, „NOSW", wie „Nie Ohne Seife Waschen".

Die Richtung, in die dein Bug (die Vorderseite des Boots) zeigt, nennt man den anliegenden Kurs. Das ist die Zahl, die du am Kompass abliest, während du fährst.

Warum der Kompass „lügt": Missweisung und Deviation

Hier kommt der Teil, der Einsteiger oft verwirrt. Der Kompass zeigt nämlich selten exakt den wahren Norden an. Es gibt zwei Störfaktoren, und beide musst du kennen.

Missweisung (Variation)

Der magnetische Nordpol und der geografische Nordpol sind nicht derselbe Ort. Der Winkel zwischen beiden – also zwischen „wo der Kompass hinzeigt" und „wo Norden auf der Seekarte ist" – heißt Missweisung (englisch: *Variation*).

  • Sie ist ortsabhängig und ändert sich langsam über die Jahre.
  • Du findest den aktuellen Wert in der Seekarte, z. B. „Missweisung 3° West (2026)".
  • Missweisung kann östlich (+) oder westlich (−) sein.

Deviation (Ablenkung)

Dein Boot selbst stört den Kompass. Motor, Eisenteile, Lautsprecher, das Handy neben dem Kompass – all das lenkt die Nadel ab. Diese bootseigene Störung heißt Deviation (Ablenkung).

  • Sie ist kursabhängig: Bei jedem anliegenden Kurs ist die Deviation anders.
  • Die Werte stehen in der Deviationstabelle deines Boots.
  • Auch sie ist östlich (+) oder westlich (−).

Diese beiden Begriffe gehören zu den Klassikern im Bootsführerschein-Fragenkatalog – verstehst du das Prinzip einmal, sparst du dir stures Auswendiglernen.

Kurs umrechnen: vom Kompass zur Karte und zurück

Weil Missweisung und Deviation den Kompass verfälschen, musst du zwischen drei Kursarten umrechnen:

  1. Kompasskurs (KK) – das, was du am Kompass abliest.
  2. Magnetischer Kurs (MgK) – Kompasskurs korrigiert um die Deviation.
  3. Rechtweisender Kurs (rwK) – magnetischer Kurs korrigiert um die Missweisung. Das ist die „echte" Richtung, die du in die Seekarte einträgst.

Der Rechenweg von unten nach oben (Kompass → Karte):

rwK = KK + Deviation + Missweisung
(östliche Werte plus, westliche Werte minus)

Eselsbrücke für die Reihenfolge von innen nach außen: „Komm Doch Mit Rüber"Kompasskurs, Deviation, Missweisung, rechtweisender Kurs.

Ein kurzes Beispiel:

  • Kompasskurs: 100°
  • Deviation: +2° (Ost)
  • Missweisung: −3° (West)
  • → rwK = 100 + 2 − 3 = 099°

Willst du andersherum rechnen (von der Karte zum Kompass), drehst du die Vorzeichen einfach um.

Eine Peilung nehmen: Schritt für Schritt

Eine Peilung ist die Richtung, in der ein bestimmtes Objekt von deinem Boot aus liegt – ausgedrückt in Grad. Mit einer Peilung kannst du z. B. prüfen, ob du auf Kollisionskurs mit einem anderen Schiff bist, oder deine Position bestimmen.

So nimmst du eine Peilung mit einem Handpeilkompass:

  1. Objekt anvisieren: Halte den Peilkompass ans Auge und richte das Visier genau auf den Leuchtturm, die Tonne oder das andere Schiff.
  2. Wert ablesen: Lies die Gradzahl ab, die unter der Visierlinie steht. Das ist die Kompasspeilung.
  3. Umrechnen: Wie beim Kurs rechnest du Deviation und Missweisung dazu, um die rechtweisende Peilung zu erhalten.
  4. Mehrfach peilen: Peilst du zwei oder drei feste Objekte und trägst die Linien in die Karte ein, schneiden sie sich – dort steht dein Boot. Das nennt man einen Standort durch Kreuzpeilung.

Ein besonders wichtiger Trick: Bleibt die Peilung zu einem anderen Schiff über die Zeit gleich (die Gradzahl ändert sich nicht), während ihr euch annähert, dann fahrt ihr auf Kollisionskurs. Das ist die Brücke zu den Kollisionsverhütungsregeln (KVR) und den Ausweichregeln auf dem Wasser.

Merksatz: „Stehende Peilung = drohende Kollision." Ändert sich der Winkel nicht, musst du handeln.

Wo Navigation im Bootsführerschein vorkommt

Wie tief du in Kompass und Peilung einsteigst, hängt vom Schein ab. Beim SBF Binnen navigierst du meist nach Sicht und mit Hilfe der Betonnung im Lateralsystem – Kompassrechnen spielt eine kleinere Rolle. Beim SBF See dagegen gehören Kursumrechnung, Peilung und das Arbeiten mit der Seekarte fest zum Stoff, weil du dort auch außer Sicht von Land unterwegs sein kannst.

Wenn du dir noch unsicher bist, welcher der richtige für dich ist, hilft dir der Vergleich SBF Binnen oder SBF See weiter. Und einen kompletten Überblick über die ganze Theorie findest du im Guide zum Sportbootführerschein.

Kurz zusammengefasst

  • Der Magnetkompass zeigt zum magnetischen Norden, die Richtung liest du in Grad ab.
  • Missweisung ist die Abweichung zwischen magnetischem und wahrem Norden (ortsabhängig).
  • Deviation ist die Störung durch das eigene Boot (kursabhängig).
  • Mit rwK = KK + Deviation + Missweisung rechnest du vom Kompass zur Karte.
  • Eine Peilung ist die Richtung zu einem Objekt – eine stehende Peilung warnt vor Kollision.

Mit SBF Master übst du Kursumrechnung und Peilungen genau so, wie sie in der Prüfung drankommen – Schritt für Schritt erklärt und mit Wiederholung der Fragen, die dir noch schwerfallen. Du kannst kostenlos starten und erst dann auf Pro wechseln, wenn du merkst, dass dir die App beim Lernen wirklich hilft.

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