Charterschein & Charterbescheinigung: Boot mieten ohne SBF
Du willst übers Wochenende ein Hausboot mieten, hast aber keinen Bootsführerschein – und schon gar keine Lust, monatelang einen Kurs zu machen, nur um einmal mit Freunden über die Mecklenburger Seen zu schippern? Genau für diesen Fall gibt es den Charterschein, offiziell Charterbescheinigung genannt. Damit darfst du auf bestimmten deutschen Gewässern ein Boot führen, ohne den klassischen Sportbootführerschein in der Tasche zu haben.
Klingt nach einem Schlupfloch? Ist es aber nicht. Die Charterbescheinigung ist eine amtlich geregelte Sache mit klaren Regeln. In diesem Ratgeber erklären wir dir in Klartext, was der Charterschein genau ist, wo er gilt, wie die Einweisung abläuft – und wo seine Grenzen liegen, damit du am Urlaubsende kein böses Erwachen erlebst.
Was ist der Charterschein überhaupt?
Der Begriff „Charterschein" führt ein bisschen in die Irre, denn es ist kein Führerschein, den du machst und behältst. Die korrekte Bezeichnung lautet Charterbescheinigung. Sie ist ein Dokument, das dir der Bootsvermieter (Charterunternehmen) für die Dauer deines Törns ausstellt – meist für ein bis zwei Wochen.
Die rechtliche Grundlage ist die Charterschein-Regelung in der Sportbootführerscheinverordnung. Der Gedanke dahinter: Auf vielen ruhigen Binnengewässern mit geringer Strömung und übersichtlichem Verkehr braucht man kein jahrelang trainiertes Können, um sicher ein langsames Hausboot zu steuern. Eine gründliche Einweisung vor Ort reicht aus.
Merke: Den klassischen Sportbootführerschein machst du einmal und behältst ihn lebenslang. Die Charterbescheinigung gilt nur für dein konkretes Charterboot und nur für die gebuchten Tage.
Damit ist der Charterschein die einfachste Form, Boot zu fahren ohne Führerschein – jedenfalls in den dafür freigegebenen Revieren.
Wo gilt die Charterbescheinigung?
Die Charterregelung gilt nicht überall, sondern nur auf bestimmten, ausgewiesenen Binnenwasserstraßen. Das sind klassische Hausboot-Reviere, in denen wenig Berufsschifffahrt unterwegs ist. Zu den bekanntesten gehören:
- die Mecklenburgische Seenplatte (Müritz, Kölpinsee und Umgebung)
- Teile der Müritz-Elde-Wasserstraße und der Müritz-Havel-Wasserstraße
- Abschnitte der Havel und der Spree-Oder-Wasserstraße in Brandenburg
- die Lahn, die Saar sowie Teile der Peene und der Untermosel
Welche Strecken genau freigegeben sind, regelt eine amtliche Liste der Wasserstraßen. Der Vermieter weiß ganz genau, wo du fahren darfst und wo nicht – und er trägt das auch in deine Bescheinigung ein. Wichtig: Das gilt nur für Binnengewässer. Für Küste und Meer brauchst du den SBF See, eine Charterregelung gibt es dort nicht.
Wer den Unterschied zwischen den Geltungsbereichen verstehen will, findet ihn in unserem Vergleich SBF Binnen oder SBF See.
Voraussetzungen und Einweisung
Die gute Nachricht: Die Hürden sind niedrig. Konkret gilt meist:
- Mindestalter 16 Jahre für die Person, die das Boot führt. Wie sich die Altersgrenzen bei den echten Scheinen unterscheiden, liest du unter Bootsführerschein ab welchem Alter.
- Das gecharterte Boot fährt maximal 15 km/h und ist ein für die Charterregelung zugelassenes Fahrzeug (typisch: Hausboote, Motorkajütboote).
- Eine theoretische und praktische Einweisung durch den Vermieter, in der Regel direkt am Tag der Übernahme.
Die Einweisung dauert oft rund drei Stunden. Du lernst die wichtigsten Verkehrsregeln auf dem Wasser, das Verhalten an Schleusen, die Bedeutung der Schifffahrtszeichen auf Binnengewässern und natürlich die konkrete Bedienung „deines" Bootes: Anlassen, Anlegen, Wenden. Danach unterschreibst du, und die Bescheinigung wird ausgestellt. Sie muss an Bord mitgeführt werden – wie ein Führerschein im Auto.
Ein bisschen Grundwissen schadet trotzdem nie. Wer vorher schon weiß, was Steuerbord und Backbord bedeuten und wie die Ausweichregeln auf dem Wasser funktionieren, kommt entspannter durch die Einweisung und durch den Törn.
Die Grenzen des Charterscheins
So praktisch der Charterschein ist – er hat klare Grenzen, die du kennen solltest:
- Nur auf dem gecharterten Boot gültig. Die Bescheinigung ist an genau dieses Fahrzeug und diesen Zeitraum gebunden. Dein eigenes Boot oder ein anderes Charterboot darfst du damit nicht fahren.
- Nur in den freigegebenen Revieren. Verlässt du das ausgewiesene Gebiet, fährst du ohne gültige Fahrerlaubnis.
- Kein Auslandseinsatz. Im Ausland zählt die deutsche Charterbescheinigung in der Regel nicht. Wer dort chartern will, braucht oft einen internationalen Bootsführerschein.
- Nicht für schnelle oder große Boote. Sobald mehr Tempo, mehr Leistung oder Küstengewässer ins Spiel kommen, brauchst du einen richtigen Schein.
Trotz Charterregelung gelten die normalen Spielregeln des Wasserverkehrs: Die Promillegrenze ist ernst zu nehmen (mehr dazu unter Promillegrenze auf dem Boot), und auch die Sicherheitsausrüstung an Bord muss vollständig sein.
Charterschein oder doch der echte SBF?
Der Charterschein ist ideal für den einmaligen Urlaub. Wenn du aber regelmäßig aufs Wasser willst, frei das Revier wählen oder ein eigenes Boot fahren möchtest, lohnt sich der echte Schein schnell mehr. Wie viel das kostet, zeigt unser Überblick zu den Bootsführerschein-Kosten; der komplette Weg dahin steht in Bootsführerschein machen: Ablauf in 7 Schritten. Für die meisten Hausboot-Fans ist der SBF Binnen die passende Wahl.
Und das Beste: Die Theorie dafür ist machbarer, als viele denken. Mit SBF Master übst du den amtlichen Fragenkatalog in Klartext erklärt und kostenlos startbar – so wird aus dem einmaligen Charterurlaub vielleicht der erste Schritt zum eigenen Bootsführerschein.
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